HBK Braunschweig Diplom 2020
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Lydia HoskeConrad Veit
Klasse Michael Brynntrup
"Das divergierende hyperbolische kontemplative Konglomerat oder Die Theorie ist eine Ente"
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Conrad Veit

Blastogenese X (2020)
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In Zusammenarbeit mit Charlotte Maria Kätzl
00:26:39
2020
16mm (4:3)
bw / sound / nodialogue

Synopsis
« Blastogenese X » bewegt sich in seiner offenen Form auf der Grenze zwischen Tierdokumentation und phantastischem Science Fiction.
In einer fremdartigen, planetaren und posthuman wirkenden Landschaft werden Lebensformen gezeigt, die der Film, ähnlich wie bei einer Tierdokumentation, in einem in Episoden erzähltem Lebenszyklus aus Geburt, Balzverhalten, Fortpflanzung/Paarung, Brutpflege und Raubverhalten vorstellt.
Bei den Figuren handelt es sich um Hybride zwischen Tierischem und Menschlichem, die genderfluid angelegt, sich zwischen den biologischen Geschlechtern bewegen. Dabei entstehen die Figuren durch Kostüme und Attribute, die dem menschlichen Körper hinzugefügt werden. So verbindet sich der nackte menschliche Körper mit künstlich erschaffenen, animalisch anmutenden Kostümen. Die Zitzen eines Schweins überdecken beispielsweise die menschliche Brust und vervielfältigen ihre Funktion. Der Schnabel eines Vogels ersetzt das Gesicht und fungiert als Tastorgan und Phallus. Dabei wird das Kostüm thematisiert und versteht sich als Attribut zum nackten Körper. Daraus entsteht eine neu geschaffene Drag-Form als « Animal Drag », die sich nicht mehr nur an Geschlechterstereotypen bedient, sondern alle Lebewesen mit einbezieht und dadurch den Begriff « queer » erweitert. Denn so scheinen die Grenzziehungen zwischen Mensch und Tier in mancher Hinsicht ähnlich kulturell und sozial konstruiert, wie es Geschlechterbinaritäten und Geschlechterstereotype sind.
Diese Grenzziehungen will « Blastogenese X » als ein Manifest der Diversität hinterfragen. Unterdessen ist das gezeigte Verhalten der Figuren zutiefst tierischer Natur und instinktiv gesprägt, wird aber vom menschlichen Körper als etwas Selbstverständliches ausgeführt. Tier und Mensch auf Augenhöhe - die Frage nach höherer Wertigkeit entfällt.
Hintergründe zur Produktion
« Blastogenese X » wurde in Steinbrüchen und Steinwüstenlandschaften performativ erarbeitet und analog auf 16mm Film gedreht und anschließend per Hand selbst entwickelt. Dabei basiert der Film im Wesentlichen auf seiner Szenografie. Kostüm und Performance stehen neben den mondartigenSteinbruchlandschaften im Vordergrund. Somit reduziert sich « Blastogenese X » auf die grundlegenden Bestandteile von Film, die mit nicht viel mehr auskommen, als mit Kamera, Stativ, Performance, Kostüm und Umgebung, sowie mit langen Totalen und einem reduzierten Bildschnitt. Des Weiteren sind Handlung und Inhalt des Films stark durch die bewusst gewählte filmische Form geprägt. Gedreht wurde der Film auf einem analogen, orthochromatischen 16mm Schwarzweißlichttonfilm, der in dieser Form in der Filmproduktion bis etwa in die Mitte der 1920er Jahre Verwendung gefunden hat. Dabei transportiert die Verwendung der Ästhetik des 16mm Filmmaterials aus Schwarzweiß undharten Kontrasten den Inhalt des Geschehens an einen andersartigen, artifiziellen Ort, wodurch eine Entrückung von Zeit und Raum stattfindet. Das Abbild erhält dadurch eine stärkere Abstraktion und damit eine größere Projektionsfläche für den Betrachter, weil das verwendete Filmmaterial nur einen Teil der gefilmten Bildinformationen abbildet. Gleichzeitig fügt die analoge Arbeitsweise dem Filmmaterial eigene und zum Teil unvorhersehbare Bildinformationen hinzu, wie Entwicklungsstörungen oder Laufstreifen, Staubpartikel, Flackern und Flimmern, was die Körperlichkeit der Handlungen zusätzlich verstärkt.